Gottfried Reiche

Oben: Gottfried Reiche – Kupferstich von Johann Friedrich Rosbach, Leipzig 1727.
Nachstich des Öl-Portraits von Gottlieb Elias Haußmann.
Leipzig, Universitätsbibliothek Leipzig, Porträtstichsammlung, Inventar-Nr. 41/149.


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Ausschnitt einer Figuralaufführung in Leipzig im Jahr 1710 während des Thomaskantorats von Johann Kuhnau – 13 Jahre vor Dienstantritt von Johannn Sebastian Bach. Der abgebildete Hornist ist mutmaßlich Johann Gottfried Reiche.

Während der ersten 11 Leipziger Dienstjahre Johann Sebastian Bachs war Gottfried Reiche (1667–1734) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit derjenige Ratsmusiker, der die ersten Stimmen für Trompete und Horn aufführte.

Eine Generation älter als Bach, wurde der Sohn eines Schusters in seiner Geburtsstadt Weißenfels als Stadtpfeifer ausgebildet. Er spielte Horn, Trompete, Zink, Posaune und höchstwahrscheinlich auch Violine. Es ist davon auszugehen, dass er die Posaunentechnik beherrschte und auch dieses Instrument in den Aufführungen spielte, wofür u.a. auch das gemeinsame Stimmenblatt für „Trombona“ und „Corno“ der Kantate „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ BWV 3 vom 14. Januar 1725 spricht. Seit 1688 in Leipzig, war er schon als junger Berufsanfänger hoch geachtet. 1691 verfügte er bereits über ein so großes Ansehen, dass er ein Extrahonorar erhielt „so bißhero in beyden Kirchen hiesigen Orthes sich zum Clarin oder Trompetten gebrauchen lassen“. Auch 1694, als während der Landestrauer öffentliches und privates Musizieren verboten war, bekam er als einziger seiner Kollegen gesonderte Zuwendungen „damit er nicht außer Diensten gehen möge“. Im Verlauf seiner jahrzehntelangen Dienstzeit in Leipzig durchlief er alle Stufen eines Ratsmusikers: „Stadtpfeifergeselle“ seit 1688, „Kunstgeiger“ im Jahr 1700, ab 1706 „Stadtpfeiffer“ und schließlich 1719 „Stadtpfeifersenior“. Am Ende seines Lebens hinterließ er eine Posaune und ein Horn.

Gottfried Reiche hatte jedenfalls, wie oben bereits erwähnt, während seiner Ausbildung zum Stadtpfeifer in Weißenfels üblicherweise auch die Zugtechnik der Posaune erlernt und verfügte damit – neben seinem herausragenden Können als hoher Blechbläser – beste Voraussetzungen für die Nutzung der mutmaßlichen Tirarsi-Instrumente.

TIRARSI-PARTIEN – „CHEFSACHE“ GOTTFRIED REICHES

Reiche spielte nicht nur am ersten Pult fast 95 % der in bzw. für Leipzig entstandenen Kantaten, sondern auch die Es-Dur-Fassung des Magnificat (BWV 243a), außerdem die Parodievorlagen für das spätere Weihnachtoratorium (BWV 248), Osteroratorium (BWV 249), Himmelfahrtsoratorium (BWV 11 – die Noten des Eingangschores dienten 1732 als Auftakt für die Festmusik zur Einweihung des erweiterten Thomasschulgebäudes) und mutmaßlich auch eine Leipziger Probeaufführung der für die Dresdner Hofkapelle 1733 komponierten „Missa in h“, die dann Bach an seinem Lebensende (lange nach Reiches Tod) in die „h-moll-Messe“, BWV 232, übernahm.

Für die Tirarsi-Untersuchnungen ist bedeutend, dass Bach einigen seiner frühen Kantaten für Wiederaufführungen in Leipzig solistische Tirarsi-Stimmen hingefügte (BWV 12, 70, 147, 162, 185 und vermutlich BWV 89). Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, dass Bach nach Reiches Tod keine solistischen Tirarsi-Stücke mehr komponierte. BWV 14, die einzige Kantate nach Reiches Tod mit einer solistischen Stimme für Corno und Tromba aus dem Jahr 1735 enthält keine Tirarsi-Töne. Und auch die im Parodieverfahren nach Oktober 1734 wiederverwendeten Werke (siehe oben) sind frei von Tirarsi-Partien.

Zudem zeigen die Eintragungen in den originalen Manuskripten für Wiederaufführungen nach Reiches Tod der Kantaten BWV 89, 96, 137 und der Erstfassung des Magnificat (BWV 234), dass die ursprünglichen Tirarsi-Stimmen dieser Werke notgedrungen weggelassen wurden (BWV 8) oder zur Oboe (BWV 10, 235), zur Orgel (BWV 27 und 73) und zur Posaune wanderten (BWV 96) oder durch Stimmen ohne zusätzliche Töne (BWV 69a) ersetzt wurden. Auch die Umarbeitung des ersten Teils des Eingangschores von BWV 46 als Qui tollis peccata mundides Gloria seiner Missa von 1733 für die Dresdner Hofkapelle, die später in seine h-moll-Messe einging, erfolgte ohne ein Tirarsi-Instrument. Auch bei Wiederaufführungen bzw. Umarbeitungen von Kantaten des Vaters durch W.F. Bach wurden konsequent Tirarsi-Partien vermieden (BWV 51) bzw. die entsprechenden Tirarsi-Partien umarangiert: BWV 19, als C.P.E.Bach bei einer Wiederaufführung um 1770 in Hamburg die tirarsi-„verdächtige“ Tromba-Stimme der Arie Nr. 5 rausstrich. Alle Befunde deuten darauf hin, dass an keinen anderen Orten als in Leipzig und für keine andere Person als für Gottfried Reiche Tirarsi-Partien komponiert wurden. Mit Reiches Tod war die Tirarsi-Kunst erloschen. 

Aber Reiches Fähigkeiten waren bekanntlich nicht „nur“ auf die Tirarsi-Partien begrenzt! Dass Bach Reiche die exklusiven Blechbläserpartien quasi auf den Leib komponiert hatte, zeigte sich nach Reiches Tod neben den nachgewiesenen Umbesetzungen der Tirarsi-Kantaten in weiteren bemerkenswerten Besetzungsänderungen, die in einigen außerordentlich schwierigen Trompeten-Partien zu beobachten sind. In der Kantate „Herr Gott, dich loben alle wir“, BWV 130, Erstaufführung 29. September 1724, ist zur Wiederaufführung um 1735 anhand autographer Ergänzungsblätter, Schriftformen und Wasserzeichen feststellbar, dass eine Besetzungsänderung des nicht nur für die erste Trompete extrem anstrengenden dritten Satzes (Violine I/II und Viola statt Tromba I–III) vermutlich nach dem Tod Gottfried Reiches (6. Oktober 1734) stattfand. Auch die spektakuläre solistische Tromba-Partie (ohne naturtonfremde Töne) der Aria Nr.7 („Er ists, der ganz allein“) der Kantate „Gott fähret auf mit Jauchzen“, BWV 43, Erstaufführung am 30.5.1726, wurde zu einem späteren Zeitpunkt in der Violinenstimme nachgetragen.

REICHES ÜBERRAGENDE BEDEUTUNG ALS BLECHBLÄSER

Die Thomaskantoren Johann Kuhnau (1660 – 1722) und Johann Sebastian Bach haben also nach Auswertung aller Indizien mit größter Wahrscheinlichkeit ihre Tirarsi-Partien für Gottfried Reiche komponiert, mit dem sie offenbar in schöpferischer Zusammenarbeit verbunden waren. Die Tirarsi-Kunst mit ihren wunderbar eindrücklichen und vielfältigen Solopartien sowie alle anderen „gewöhnlichen“ ersten Stimmen war unter den ausübenden Stadtpfeifern eindeutig „Chefsache“. Dass ein anderer Stadtpfeifer diese Solostimmen gespielt hat (außer bei Verhinderung z.B. wegen Krankheit) ist sehr unwahrscheinlich.

Etwa ein Jahrhundert vor Erfindung der Ventile haben J.Kuhnau und J.S.Bach gemeinsam mit ihrem überragenden Interpreten Gottfried Reiche einen einzigartigen Beitrag zur Erweiterung des Tonvorrates von Horn und Trompete geleistet. Dies war Reiches eigentliche herausgehobene Bedeutung in der Geschichte der Blechblasinstrumente!

Andere Bemühungen um die Erweiterung des begrenzten Tonvorrates hatten nicht das „Glück“, einen derartig erstklassigen Komponisten zur Verfügung zu haben, wie es Reiche mit Bach geniessen konnte. Vor allem deshalb sind viele andere Versuche mehr oder weniger in Vergessenheit geraten – vielleicht mit Ausnahme des mährischen Trompeters und Komponisten Pavel Josef Vejvanovský (um 1633 – 1693), dessen Werke gewisse zusätzliche Töne verlangen und deshalb im „Verdacht“ stehen, dass ev. ein spezielles Instrument genutzte wurde. Auch Anton Weidingers (1766 – 1852) Klappentrompete, wofür bekanntlich Joseph Haydn 1795 das berühmte „klassische“ Trompetenkonzert komponierte, war ein bedeutender Schritt, dem wenig später (um 1815) mit der Erfindung der Ventile die durchschlagende technische Lösung folgte, die Horn und Trompete endlich ebenbürtig zu allen anderen Melodieinstrumenten machte.

Die von Reiche gespielten Partien sind in den originalen Aufführungsmaterialien der Kantaten überliefert – das von Reiche verwendete Tirarsi-Instrumentarium ist leider nicht erhalten und es existiert davon keine Abbildung und keine Beschreibung. Vermutlich war das verwendete Tirarsi-Instrumentarium Reiches persönliche „Hardware“ und wurde von ihm als Berufsgeheimnis streng geschützt. Das berühmte Ölgemälde bzw. der Kupferstich zeigen jedenfalls kein Tirarsi-Instrument.

An dieser Stelle muß noch einmal hervorgehoben werden, dass unsere Rückschau ein bestmögliches Zusammentragen und Erforschen von Indizien ist, die durch ihren eindrücklichen Umfang und schiebe Masse allerdings ein eindrückliches Gesamtbild ergeben, welches mit dem Abstand von ca. 300 Jahren jedoch nicht den Anspruch von 100%er Gewissheit erheben kann.

Immerhin kann neben den Aufführungsmaterialien und der wöchentlichen Entstehungsgeschichte auf die beiden bzw. drei Abbildungen, die Gottfried Reiche zeigen, zurückgegriffen werden. Gewisse Rückschlüsse sind erlaubt.

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Die oben zu sehende Abbildung einer Figuralmusik in der Leipziger Thomaskirche aus dem Jahr 1710 zeigt mittig-links u.a. einen Hornisten, bei dem es sich vermutlich um Gottfried Reiche handelt und der das Schallstück seines Horns nach oben hält. Es kann darüber diskutiert werden, wie realitätsnah dieser Kupferstich ist. Im Kontrast zu den Trompetern im linken Vordergrund zeigt die Abbildung aber einen Hornisten und dieser Hornist hält das Schallstück seines Instrumentes nach oben, was nochmals festgehalten sein soll.

GOTTFRIED REICHES ENG GEWUNDENES INSTRUMENT

Das Instrument, welches Reiche auf dem Öl-Porträt von Elias Gottlob Haußmann in seinen Händen hält, war Vorlage für viele Rekonstruktionsversuche. Nachfolgend wird es in Beziehung zu ähnlichen Instrumententypen des 17. und 18. Jahrhunderts gestellt, angefangen mit dem ältesten erhaltenen Jägerhorn von Valentin Springer (Dresden um 1570, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer, Inventarnummer X 0476), gefolgt von einer Jägertrompete aus dem 17. Jahrhundert (um 1616 – 1668, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer, Inventarnummer X 0210), der „Jägertrompete von Heinrich Pfeifer, Leipzig, 1697“ (seit 1945 verschollen, ehemals Leipziger Musikinstrumentenmuseums, vormals in der Kirche zu Carlsfeld im Erzgebirge) sowie der Abbildung der „Jägertrummet“, einem Ausschnitt aus Michael Praetorius, (1571- 1621), Syntagma musicum, Bd.2, 1619.

Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass die Unterscheidung zwischen Horn und Trompete im 17. und auch noch im frühen 18. Jahrhundert noch längst nicht so strikt genormt war, wie es heutzutage der Fall ist. Vielmehr gab es allgemein ein weiten Spielraum für gewisse klangliche Vorlieben, für „Grauzonen“ und individuelle Lösungen. Sicherlich hatte auch Gottfried Reiche seine eigenen und speziellen Instrumente. Beweis dafür ist das kreisförmig gewundene Instrument, welches Gottfried Reiche auf dem berühmten Ölgemälde von ca. 1727 in seinen Händen hält (siehe unten).

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Oben: Gottfried Reiche (1667 – 1734), Öl auf Leinwand, 67 x 82,5 cm, von Elias Gottlob Haußmann, ca. 1727, vermutlich zum 60. Geburtstag von Gottfried Reiche gemalt (Stadtgeschichtliches Museum zu Leipzig).

Dem kreisförmigen Instrument wurde in den vergangenen Jahrzehnten von der Forschung unterschiedliche Namen verliehen (die unzähligen Versuche und Bemühungen jeglicher wissenschaftlichen Nachwelt, unklare oder vermeidlich eindeutige Phänomene in eine gewisse Ordnung zu pressen ist vermutlich typisch für das Verhalten des Homo sapiens sapiens = „der wissende Mensch“). Dr. Herbert Heyde, seinerzeit im Musikinstrumenten-Museum der Leipziger Universität, scheint die konkretesten und seriösesten Untersuchungen vorgenommen zu haben (Herbert Heyde, Das Instrument von Gottfried Reiche, in: Beiträge zur Bach-Forschung 6, 1988, S.96-109). Die Untersuchungen zeigten (unter der Voraussetzung, das Porträt sei im Maßstab 1:1 gemalt), dass es es sich auf Grund des Mundstücks und Schallstücks eher um eine Trompete als um ein Horn handelt – allerdings in überwiegend konischer Posthornmensur. Die Verzierungen des Schallstücks weisen darauf hin, dass es aus der Werkstatt Haas in Nürnberg stammt. Bemerkenswert ist das sehr massige Mundstück, was den Klang fixiert und die Ansprache verbessert. Die Untersuchen zeigen also vom Instrumententyp her kein klares Bild sondern eher eine individuelle Lösung, die sich in unsere heutige, eher strenge Normierung nicht einfügen lässt.

Das abgebildete Notenblatt zeigt eindeutig keine besonderen Tirarsi-Töne, Gottfried Reiche aber als „hoch“qualifizierten Clarinbläser, der er zweifellos war.

In Bachs Denkschrift „Kurtzer; iedoch höchstnöthiger Entwurff einer wohlbestallten Kirchen Music “ vom 23. August 1730 wird Gottfried Reiche als 1. Trompeter genannt. Bach hat in dieser Eingabe wenig schmeichelhaft über die Leistungen der Stadtpfeifer gesprochen indem er schrieb, dass (sinngemäß) ihm die Höflichkeit verbiete über die Leistungen der Stadtpfeifer und Kunstgeiger zu sprechen. Wir wollen vermuten, er tat dies aus taktischen Gründen um dem Anliegen des Schreibens Nachdruck zu verleihen. Wie dem auch sei: es ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass Gottfried Reiche als „Senior Stadt-Musicus“ derjenige Musiker war, der alle ersten Stimmen und somit auch alle in Betracht kommenden Kantaten mit mutmaßlicher Beteiligung der beiden Tirarsi-Instrument in den Aufführungen spielte.

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Oben: Detailansicht des gewundenen Blechblasinstrumentes.

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Oben: Die Zusammenstellung mehrere Instrumente und Gottfried Reiches Portrait in Form einer Postkarte – nach dem Ölgemälde der Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig von Elias Gottlob Haußmann, ca. 1727.

Rechts zu sehen ist ein Rekonstruktionsversuch dieses Instrumentes der Firma Syhre, Leipzig, ca. 1995, dem zwei original erhaltene historische Instrumente aus den Beständen der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zugeordnet sind. Sie wurden in ähnlich gewundener Bauweise hergestellt: das „Jägerhorn“ von Valentin Springer um 1570/80 (oben mittig), sowie die „Jägertrompete“ (links oben), welche nach 1616 und vor 1668 inventarisiert wurde. Beide Instrumente wurden vermutlich nicht für die Kunstmusik sondern eher für den Jagdgebrauch hergestellt.

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Das Foto oben zeigt das (leider seit der kriegsbedingten Auslagerung 1944/45 verschollene) Instrument des Leipziger „Thomas Thürmers auf dem Thomaskirchhofe“, „Der Ehrenwohlgeachtete und Kunstreiche H. Heinrich Pfeifer, Musicus Instrumentalis und Posaunenmacher“ (1652 – 1719), welches sich ursprünglich in der Kirche in Carlsfeld (Erzgebirge) befand.

Im Katalog des Leipziger Musikinstrumenten-Museums wird es als „Jägertrompete von Heinrich Pfeifer, Leipzig, 1697“ genannt. Heinrich Pfeifer war derjenige Instrumentenbauer und ausübende Musiker, der Gottfried Reiche räumlich und zeitlich in dessen ersten 30 Leipziger Dienstjahren im direktesten räumlichen Kontakt gestanden haben muß. Bemerkenswert an diesem Instrument ist, neben der hornartigen Wicklung bei überwiegend zylindrischen Rohrverlauf, die Schallstückform, welche eher an eine Altposaune erinnert. In diesem Instrument steckten also viele Komponenten: eine trompetenartige Mundstückaufnahme und zylindrischen Rohrverlauf, eine hornartige Wicklung und ein posaunenähnliches Schallstück. In den Akten des Museums (siehe in Herbert Heyde: Trompeten Posaunen Tuben, Musikinstrumenten-Museum der Karl-Marx-Universität Leipzig, Katalog, Band 3, 1980, S. 116 ff) ist von einem posaunenartigen Klang die Rede; und davon, dass die Töne b1 und f2 (7. und 11. Naturton) relativ gut zu brauchbaren Tönen getrieben werden konnten.

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Oben: Nachbauversuch des Reiche-Instruments inkl. massivem Mundstück, Leipzig um 1995, von Friedbert Syhre in Zusammenarbeit mit Herbert Heyde – aus dem Besitz von Peter Damm, dem langjährigem Solohornisten der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

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Oben: Jägerhorn, um 1570/80 von Valentin Springer.
Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer, Inventarnummer X 0476.

Es ist das älteste weltweit erhaltene gewundene Instrument. Beachtenswert ist die ausgewogene und überaus wohlproportionierte Form. Es handelt sich um ein durchgängig konisches Instrument mit engem Mundrohrbeginn. Das original erhaltene Mundstück in Form der erst viel später durchgängig etablierten trichterförmigen Waldhornmundstücke ist ebenfalls beachtenswert. Dieser Instrumententyp ist bereits Michael Praetorius (1570 – 1621) bekannt gewesen – allerdings scheint hier das Mundstück einem seinerzeit gängigen Trompetenmundstück zu ähneln.

Oben: „Jägertrummet“ Ausschnitt aus Michael Praetorius, (1571- 1621) Syntagma musicum, Bd.2, 1619
Oben: Jägertrompete aus der Zeit von Heinrich Schütz. Der Hinweis „zwischen 1616 und 1668“ bezieht sich auf die Daten zweier überlieferter Inventarlisten, zwischen denen irgendwann im 17. Jahrhundert das Instrument in die Rüstkammer kam. Es entspricht äußerlich der Bauweise der bei Praetorius beschrieben „Jägertrummet“ (siehe oben). Der Rohrverlauf ist gemischt: einem konischen Mundrohr folgt ein zylindrisches Mittelteil das in einem konisch-hyperbolischen Schallstück endet. Das vermutlich ursprüngliche Mundstück, was auf einem Foto von 1942 noch vorhanden war, war offenbar von trichterförmiger Gestalt.

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BACHS UND REICHES ARBEITSPLATZ IN DER THOMASKIRCHE

Oben: Beschreibung der Thomaskirche in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert.
Aus der Internetseite des Bach-Archiv Leipzig, abgerufen am 17.1.2024: https://jsbach.de/bachorte/kirche-st-thomas

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Johann Sebastian Bach 1746, mit Rätselkanon (Zweitversion des Ölgemäldes von Elias Gottlob Haußmann)[1]